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Der Heilige Mina

Der Heilige Mina

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05 Lebensgeschichten St Mina Der Wundertäter

 

Einleitung

Die Leiden der Märtyrer und Bekenner sind im Herzen Gottes um so vieles glorreicher und süßer als die Gebete der Anachoreten und der Lobgesang der Engel. Damit meine ich die überquellende gewaltige Liebe, mit der sie Gott geliebt haben, so dass sie alle Leiden Seinetwegen auf sich nahmen.

Die heilige Kirche setzt die Märtyrer auf eine höhere Stufe als die Asketen und Eremiten. Sie gedenkt der Märtyrer in ihren Gebeten und Fürbitten vor den heiligen Patriarchen und Bischöfen. Märtyrer befinden sich daher auf einer noch höheren Ebene als die Diener und sind erhabener als die Kontemplation. Sie stehen auf der Ebene der unbeschreiblichen Liebe, die Gottes Herz kennt und fühlt, jenes Herz, das für uns gelitten hat.

Wenn wir den Mönch hochpreisen, weil er die Welt teilweise verlassen hat und den Märtyrer um so mehr preisen, der die Welt vollkommen verlassen hat und sich von ihr durch einen vollkommenen und wahren Tod getrennt hat, um wie viel mehr preisen wir und welcher Ruhm gebührt demjenigen, der beides vereinte, sowohl den Kranz des Mönchtums als auch den des Martyriums! Der heilige Mina war ein Großer im Geist, der beide Kränze erhalten hat, nämlich den Segen der Keuschheit, des Lebens als Einsiedler und Asket, sowie den des Märtyrertodes.

Möge der Segen der Gebete des großen heiligen Mina, des Wundertäters, und aller Märtyrer und Heiligen mit uns sein. Amen

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
ein Gott, Amen.

 

Die Familie des Heiligen, seine Geburt, seine Kindheit und seine Erziehung

Die Familie des Heiligen

Der heilige Mina, dieser große Stern, ist einer der Söhne des geliebten Ägyptens. Er stammt aus der Stadt Nakios. Sein Großvater war Regent der Region. Ihm folgte in der Regentschaft sein Onkel väterlicherseits. Eudoxius, der Vater des Heiligen, war ein reicher Mann, beliebt bei den Einwohnern der Region wegen seiner vielen Tugenden. Sein Bruder beneidete ihn, weil er barmherzig war. Er verleumdete ihn bei Kaiser Carinus, der dies jedoch durchschaute und ihn trotzdem zum Herrscher der Provinz Afrika ernannte.

Sohn des Gebets

Euphemia, die Ehefrau von Eudoxius, war die Mutter des Heiligen. Sie war eine fromme Frau, die regelmäßig betete und fastete. Da sie unfruchtbar war, bat sie unseren Herrn Jesus oft, ihr Nachkommenschaft zu schenken. Deshalb fastete sie täglich bis in den Abend hinein. Außerdem gab sie den Fremden, Witwen und Waisen viele Almosen.

Am Gedenktag der heiligen Jungfrau Maria, dem 21. Tubah nach dem koptischen Kalender, begab sie sich in die Kirche. Als sie sah, wie die Frauen sich freuten und jubelten, während sie ihre Kinder trugen, stellte sie sich in Demut vor die Ikone der heiligen Mutter Gottes, erhob ihr Herz und flehte den Herrn Jesus mit Tränen und Beharrlichkeit an, ihr Kinder zu schenken. Während sie so stehend betete, hörte sie eine Stimme aus der Ikone unseres Herrn Jesus in den Armen der heiligen Jungfrau, die sprach: „Amen, Mina“. Euphemia jubelte vor Freude. Als sie heimkehrte, erzählte sie ihrem Mann Eudoxius was geschehen war, so dass auch sein Herz mit großer Freude erfüllt wurde.

Als die Tage ihrer Schwangerschaft vollendet waren, gebar sie den Heiligen. Sie gab ihm den Namen, den die von ihr vernommene  Stimme genannt hatte: Mina. Dies geschah etwa im Jahre 286 n. Chr.

 

Heranwachsen und Erziehung des Heiligen

Für die Eltern des heiligen Mina war es von großer Bedeutung, ihren Sohn auf eine geistliche Weise zu erziehen, zur Disziplin und nach den Lehren der Kirche. Sie vertrauten ihn den heiligen Priestern an, die ihn unterwiesen und in den heiligen Büchern unterrichteten, die er schnell verstand. Er ging oft in die Kirche, sowohl tagsüber als auch nachts, und hielt am Fasten und Beten fest, so dass seine Seele mit Tugend erfüllt wurde. Er war ein geistlicher Junge wie der Prophet Samuel.

Als er elf Jahre alt war, starb sein Vater und drei Jahre darauf seine Mutter. Sie hinterließen ihm sehr viele Reichtümer. Er übte jedoch weiterhin sein geistliches Leben aus und beharrte auf dem Fasten, Beten und der Gabe von Almosen.

Sein Eintritt in die Armee

Als er 15 Jahre alt war, schrieb ein königliches Dekret vor, dass alle für die Armee Tauglichen im Lande in das Heer aufgenommen werden sollten. Der Heilige war einer der Auserwählten. Der Herrscher, der Nachfolger seines Vaters, ernannte Mina zu seinem stellvertretenden Armeeführer. Der Heilige wurde wegen seiner Demut und Sanftmut bei allen beliebt.

Das Verfolgungsdekret wird erlassen und der heilige Mina geht in die Wüste

Im Jahre 303 n. Chr. erließen die beiden Kaiser Diokletianus und Maximianus ein Dekret, in dem alle zur Anbetung der Götzen und Opferdarbringung aufgefordert wurden. Der heilige Mina konnte es nicht ertragen, den vielen Menschen, die den Täuschungen des Teufels verfielen und dem Dekret Folge leisteten, zuzusehen.

So verteilte er alle seine Reichtümer und sein ganzes Eigentum an die Armen., gab seine Stelle auf und wanderte in die Wüste aus, um die Gemeinschaft mit seinem Gott und geliebten Erlöser, dem Herrn Jesus, genießen zu können. Er wiederholte ständig die Worte:

„Ich sah Auflehnung und Zwist in der Stadt. Da floh ich in die Ferne. Ich suchte Zuflucht in der Wüste und eilte zu meinem Gott und Erlöser Jesus Christus.”

In der Wüste fastete er bis in den Abend hinein und verbrachte die ganze Nacht im Gebet.

Die Vision des Heiligen

Der Heilige führte etwa fünf Jahre lang ein Leben inniger Askese, des Fastens und Gebets in Verzückung. Eines Tages, während er betete, leuchtete die Gnade Gottes vom Himmel auf ihn herab. Er sah den Himmel geöffnet und Heere von leuchtenden Engeln, die  glänzende goldene Kränze trugen und sie den Heiligen aufsetzten, die ihren Kampf und ihr Martyrium vollendet hatten. Dann wurden sie mit großer Ehre und strahlend wie die Sonne von den Engeln in den Himmel hinauf begleitet.

Daraufhin sehnte sich der heilige Mina danach, den Märtyrertod im Namen Jesu Christi zu sterben und Gott hörte das vor Liebe glühende Seufzen seines Herzens. Während der heilige Mina an das Martyrium dachte, hörte er eine Stimme aus dem Himmel:

„Gesegnet bist du, Mina, denn du bist seit deiner Kindheit zur Tugend berufen. Daher wirst du drei unvergängliche Kränze erhalten, nach dem Namen der Heiligen Dreifaltigkeit, für den du ausgeharrt hast: Ein Kranz ist für deine Jungfräulichkeit, der zweite für dein Einsiedlerleben in der Wüste und der dritte für dein Martyrium. Dein Name wird berühmter sein als der vieler anderer Märtyrer, denn ich werde Menschen jedes Stammes und jeder Sprache kommen lassen, damit sie mich in der Kirche anbeten, die auf deinen Namen in Ägypten gebaut werden wird. Und über all dies hinaus wird dir große Ehre zuteil werden, die unaussprechlich und hochgepriesen ist, in meinem ewigen Königreich.“

 

Der heilige Mina stellt sich dem Martyrium.

Der heilige Mina kehrt in die Stadt zurück

Nachdem der heilige Mina die göttliche Stimme gehört hatte, frohlockte er im Geist und empfand eine übergroße Freude. Sogleich stand er auf und begab sich zu Fuß in Richtung Stadt. Zufällig versammelte sich der Herrscher zusammen mit einer großen Schar auf einem freien Platz in der Stadt, um ein Fest zu feiern. Der Heilige erschien mitten in der Feier und rief mit lauter Stimme: „Ich bin gefunden worden von denen, die mich nicht suchten, ich bin offenbar geworden denen, die nicht nach mir fragten.“ (Jes 65, 1; Röm 10, 20)

Die Schar war verwundert, als sie dies vernahm. Alle schwiegen und niemand brachte ein Wort hervor, denn der Heilige war, trotz seiner asketischen Erscheinung und rauer Kleidung, von Würde und Ehrfurcht umhüllt. Der Herrscher verlangte eine Erklärung von ihm. Der Heilige antwortete: „Ich bin Christ.“ Dies wunderte den Herrscher und er sprach zu ihm: „Bist du ein Fremder, so dass du dir anmaßt, während der Feierlichkeiten hierher zu kommen? Willst du etwa die Jahresfeier der Könige stören und ihre Befehle verachten?“ Währenddessen richteten sich die Blicke der Scharen auf den heiligen Mina. Sie starrten ihn an, musterten ihn, seine prächtige Ausstrahlung, seine armselige Kleidung und seine ungewöhnliche Tapferkeit.

Einige Anwesende sagten zum Herrscher: „Wir kennen diesen jungen Mann gut. Vor fünf Jahren war er Führer unserer Truppe und ein erhabener Prinz, der von allen geehrt wurde.“

Der Herrscher war überrascht und tadelte den heiligen Mina mit den Worten: „Du! Warum hast du deinen Militärdienst verlassen und darüber hinaus zugegeben, dass du Christ bist?“

Der Heilige antwortete ihm: „Fürwahr, ich bin Soldat. Aber da ihr Götzen anbetet, zog ich vor, ein Soldat bei meinem Gott Jesus Christus, dem König des Himmels und der Erde, zu sein. Ich ging in die Wüste und lebte mit den Raubtieren, um nicht einer von euch zu werden und zuletzt gar mit euch umzukommen.“

Daraufhin befahl der Herrscher, den Heiligen in Gewahrsam zu nehmen und ihn bis zum kommenden Tag im Gefängnis zu behalten. Er wollte nämlich das Ende der königlichen Feier abwarten, um sich dann die Zeit zu nehmen und ihn zu foltern.

Das Verhör vor dem Herrscher

Am nächsten Tag ließ ihn der Herrscher holen und tadelte ihn mit den Worten: „Wie konntest du es wagen, gestern in unsere Mitte zu kommen und das Dekret zu missachten, ohne dich vor den Königen zu fürchten?“

Der Heilige antwortete: „Ich habe Euch gestern schon geantwortet und werde es wiederholen: Eure Religion ist unrein.“

Der Herrscher sprach: „Dann nenne mir den Grund, warum du den Militärdienst verlassen und wo du dich während dieser langen Zeit aufgehalten hast?“

Der Heilige antwortete: „Aus meiner Liebe zum Herrn Christus entschied ich mich, alleine mit den wilden Tieren in der Wüste zu leben. Denn dies ist besser als mit Leuten wie euch zusammen zu sein, die Gott nicht kennen, damit ich nicht mit euch zu Grunde gehe.“

Der Herrscher erwiderte ihm: „Ich habe von der Würde deines Geschlechts und der Ehre deiner Väter gehört. Jetzt befehle ich dir, ein Opfer darzubringen und das Gebot des Königs zu befolgen. Ich werde ihm schreiben und ihn darum bitten, dir einen höheren Rang als den deines Vaters zu verleihen.“

Darauf antwortete der heilige Mina mit den Worten: „Befiehlst du mir, meinen Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, zu verlassen, den, der die Macht hat, Seele und Leib in der Hölle zu vernichten, und das, um deinen nichtigen Götzen zu folgen? Ich werde meinen Herrn und Gott Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes nicht verleugnen. Im Gegenteil bitte ich ihn Tag und Nacht darum, mich würdig zu machen, den Kranz des Lebens zu empfangen. Wisse, dass ich keine Angst vor dir habe. Ich werde dir nicht gehorchen, denn du, dein König und deine Götter seid verworfen.“

Als der Herrscher dies hörte, gab er den Befehl, den heiligen Mina zu foltern. Dies erfolgte durch allerlei Methoden, darunter Peitschen mit Lederriemen aus Stierhaut, Aufhängen, durch Zerren des Körpers, der an eisernen, auf dem Boden befestigten Pfählen lang gezogen wurde, durch Reiben des Körpers mit grobem Haarstoff, durch Verbrennen seines Körpers mit lodernden Fackeln und das Zertrümmern seiner Zähne. Bei all dem stand Gott ihm bei und heilte ihn.

Der heilige Mina kommt vor den Prinzen

Als der Herrscher sah, wie sehr der heilige Mina beharrte und darauf bestand, sich seinem Befehl nicht zu beugen, schrieb er einen Brief an den Prinzen. Darin berichtete er, dass der heilige Mina Soldat gewesen war und die Armee verlassen hatte, da er es ablehnte, den Befehl der Könige, die Götter anzubeten, zu befolgen. Er schrieb weiterhin, dass er den Heiligen nicht getötet hat, um dessen Wunsch nicht zu erfüllen.

Der Herrscher übergab den Heiligen und den Brief an vier Soldaten, die den heiligen Mina und den Brief zum Prinzen transportieren sollten. Sie nahmen ihn, legten ihm Zügel und einen eisernen Ring um seinen Hals an. Dann zogen sie ihn bis zum Strand und  nahmen ein Schiff, das sie zur Stadt des Prinzen brachte. Die Soldaten banden Hände und Füße des Heiligen fest und brachten ihn in den unteren Teil des Schiffes, das sogleich absegelte. Während der heilige Mina auf dem Unterdeck mit gebundenen Händen und Füßen lag, hörte er eine Stimme, die zu ihm sagte: „Habe keine Angst, mein geliebter Mina. Ich bin es, Jesus, dein König und Gott. Ich werde überall mit dir sein, wohin du auch gehst. Ich werde dich stärken, unterstützen und bei dir sein, bis du deinen Kampf vollendet haben wirst.“

Daraufhin empfand der heilige Mina eine übergroße Freude und sein Gesicht strahlte. Als sie das Ziel erreichten, brachten ihn die Soldaten aus dem Schiff. Sie fanden seinen Körper unverletzt und sein Gesicht glänzend wie das eines Engels Gottes, so dass sie ihn nicht anblicken konnten.

Das Verhör vor dem Prinzen

Die Soldaten übergaben dem Prinzen sowohl den Brief des Herrschers als auch den Heiligen. Der Prinz war dabei, eine Gruppe von Christen wegen ihres Glaubens zu verhören. Als er den Brief las, wandte er sich dem heiligen Mina zu und sagte zu ihm: „Komm hervor und bete die Götter an, sonst wirst du einen fürchterlichen Tod erleiden.“ Da erwiderte der Heilige: „Ich bete nur meinen Gott Jesus Christus an. Er hilft mir und stärkt mich, deine Folter zu ertragen.“ Da ließ ihn der Prinz ins Gefängnis werfen, um seinen Fall zu untersuchen.

Der Heilige war im Gefängnis zusammen mit 520 anderen Christen. Diese waren hervorgetreten, um ihr Blut auf den Namen Jesu Christi zu vergießen. Als sie ihn sahen, freuten sie sich sehr und priesen ihn glücklich. Der heilige Mina ermutigte sie, die Schmerzen zu ertragen. Er seinerseits fand Trost, unter ihnen zu sein.

Der Herr Jesus Christus erscheint St. Mina

Dieses Mal beschränkte sich die Liebe Gottes nicht darauf, ihn Seine liebliche Stimme hören zu lassen, sondern er erschien ihm selbst von Angesicht zu Angesicht, während er im Gefängnis war. Er offenbarte ihm, was ihm geschehen werde und was er für ihn vorbereitet hatte. Er salbte seinen Körper und schenkte ihm Frieden, jenen Frieden, den die Welt ihm nicht entreißen kann, und stieg in den Himmel auf.

Am nächsten Tag ließ ihn der Prinz holen und sagte zu ihm: „Mina, ist dein Herz wieder gesund, so dass du die Götter anbetest und ihnen mit Weihrauch räucherst, um dich vor den Foltern zu retten?“ Der heilige Mina antwortete ihm: „Ich werde nicht Götter anbeten, die von Menschenhand gemacht sind. Dafür verlasse ich meinen wahren Gott nicht.“

Der Versuch, den Heiligen zu zersägen

Der Prinz erzürnte und befahl, den heiligen Mina einhundert Mal mit Riemen aus weichem Stierleder zu peitschen. Als der heilige Mina auf seinem Glauben beharrte, befahl der Prinz, ihn auf eine Presse zu ziehen und ihn mit einer Säge entzwei zu schneiden. Als die Soldaten die eiserne Säge auf den Körper des Heiligen legten, schmolz sie, als wäre sie aus Wachs, das sich dem Feuer nähert. Das geschah durch die Macht der heiligen Hand des Erlösers, die seinen Körper gesalbt hatte. Daraufhin segnete der Heilige den barmherzigen Gott.

Der Märtyrertod

Als der Prinz erkannte, dass der heilige Mina auf seinem Glauben beharrte, befahl er, ihn mit dem Schwert zu köpfen, seinen Körper im Feuer zu verbrennen und danach die Asche ins Meer zu streuen.

Die Soldaten führten den Heiligen zur Stelle, an der das Urteil vollstreckt werden sollte. Dieser ging fröhlich hin und sang dabei Loblieder. Er sprach den Scharen zu, die ihm folgten und sich hinter ihm versammelten und rief sie auf, am Glauben an Jesus Christus festzuhalten. Schließlich erreichte er den Ort der Hinrichtung.

Am Ort der Vollstreckung

Der heilige Mina kniete nieder, erhob seine Augen zum Himmel und betete inständig, während er seine Seele in die Hände des himmlischen Vaters übergab. Nachdem er sein Gebet beendet hatte, kam der Herr Jesu Christus – gepriesen sei er – auf einem Wagen von Cherubim getragen vom Himmel herab, und mit ihm tausende und abertausende von Engeln, die Ihn lobpriesen. Der heilige Mina betete Ihn an, der Herr empfahl ihn dem Frieden und gab ihm mehrere Versprechen.

Nachdem der heilige Mina die Versprechen Jesu Christi gehört hatte, streckte er seinen Hals hin. Der Henker gab ihm einen harten Schlag und somit vollendete er seinen Märtyrertod am 15. Hator des Jahres 309 n. Chr.

Der Versuch, den Leichnam des Heiligen im Feuer zu verbrennen

Als der heilige Mina den Kampf vollendet hatte, zündeten die Soldaten ein Feuer an und warfen seinen Leichnam hinein. Sie ließen ihn drei Tage und drei Nächte lang im Feuer, jedoch blieb er durch die Kraft des allmächtigen Gottes vom Feuer unversehrt.

Einige Gläubige, die dem heiligen Mina in der Stunde seines Märtyrertodes gefolgt waren, nahmen seinen Leichnam und priesen den Herrn Jesus Christus, der mit seinem geliebten Mar Mina Großartiges vollbracht hatte. Sie hüllten den Leichnam in kostbare Leichentücher und begruben ihn mit aller Ehrfurcht an einem ihm gebührenden Ort in jener Stadt in der Provinz Afrika.

Der Leichnam des Heiligen

Der Leichnam des heiligen Mina wird nach Mariut überführt

Es erging der Befehl an den frommen Heeresführer Athanasius, sein Regiment nach Mariut zu führen, um die Angriffe der Barbaren dort einzudämmen.

Er nahm den Leichnam des heiligen Mina mit sich, weil er fest daran glaubte, dass sein Segen ihn und seine Truppe bewahren werde.

Als der Führer das Grab öffnete, ging vom Leichnam des Heiligen ein starkes Licht aus, das der Sonne glich und den ganzen Ort erleuchtete. Jedoch machte der Führer dieses Wunder nicht bekannt, damit ihn niemand daran hindere, den Leichnam des Heiligen mitzunehmen. Er übergab ihn deshalb heimlich an die Soldaten, die ihn zum Schiff trugen.

Feuer brennt aus dem Leichnam des Heiligen

Während das Schiff auf dem Meer Richtung Alexandrien segelte, stiegen aus dem Wasser Ungeheuer mit langen Hälsen und Gesichtern, die Kamelen ähnelten, herauf. Sie streckten ihre Köpfe bis ins Schiff hinein. Die Insassen hatten große Angst und befürchteten, dass sie von den Tieren gefressen werden und die Tiere dann den Leichnam mitnehmen könnten. Jedoch waren sie überrascht beim Anblick eines Feuers, das aus dem Sarg des Heiligen hervorkam und gleich Pfeilen in die Gesichter der Tiere flog, die daraufhin unter die Wasseroberfläche abtauchten. Nachdem sich dies mehrmals wiederholte, beugten die Tiere ihre Hälse vor dem reinen Leichnam und tauchten unter.

Die Soldaten wunderten sich über die große Macht, die aus dem Leichnam des Heiligen hervorging. Die Nichtgläubigen unter ihnen glaubten alsdann an Jesus Christus und alle wurden vom Leichnam des Heiligen gesegnet.

Der Leichnam kommt in Mariut an

Nach fünf Tagen kamen sie in Alexandrien an, verließen die Stadt und begaben sich weiter zum Maria-See. Sie stellten den Leichnam auf ein Schiff und segelten gegen Westen hin. Dort kämpften sie gegen die Barbaren und waren siegreich.

Als die Mission der Legion beendet war, hatten sie die Absicht, nach Afrika zurückzukehren und setzten den Leichnam des heiligen Mina auf ein Kamel. Als sie das Kamel aufrichten wollten, bewegte es sich nicht. Sie schlugen es sehr hart, aber das Kamel stand still und bewegte sich nicht von der Stelle. Daraufhin luden sie den Leichnam auf ein anderes, noch stärkeres Kamel. Auch dieses bewegte sich nicht vom Fleck. Sie brachten ihn dann von einem Kamel zum anderen, bis sie ihn auf alle Kamele gesetzt hatten, die sie hatten: Was beim ersten Kamel geschehen war, wiederholte sich bei allen anderen Kamelen. Der Heerführer Athanasius verstand, dass es Gottes Wille war, den Leichnam des Heiligen an diesem Ort zu lassen.

Da Athanasius vom Segen des Heiligen begleitet werden wollte, nahm er eine hölzerne Tafel und zeichnete darauf das Bild des Heiligen und der kamelähnlichen Ungeheuer, die sie vom Meer aus angegriffen hatten. Er zeichnete die Tiere kniend bei den Füßen des heiligen Mina. Danach setzte er das Bild, das er mitnehmen wollte, auf den Leichnam, damit dessen Segen im Bild bleibt. Daraufhin zeichnete er ein zweites Bild, das mit dem ersten identisch war und steckte es mit dem Leichnam in einen hölzernen Sarg, der nicht von Würmern zersetzt werden kann, und begrub den Sarg an dieser Stelle zusammen mit einer beschriebenen Gedenktafel. Er baute ein kleines Grab, setzte den Leichnam mit großer Ehrerbietung bei und kehrte mit seiner Legion in ihre Heimatstadt zurück.

Die Entdeckung des Grabes des heiligen Mina in Mariut und die Besiedlung der Gegend

Nach der Rückkehr des Heerführers Athanasius und seiner Legion in ihr Heimatland blieb das Grab des heiligen eine Zeit lang unbekannt, bis Gott wollte, dass der Leichnam seines heiligen Märtyrers zum Vorschein kommt. Dies geschah durch Wundertaten am Ort des Grabes. Bald darauf wurden in Mariut zahlreiche Kirchen gebaut und eine Stadt mit dem Namen „die Stadt des Märtyrers” errichtet.

Die Heilung eines gelähmten Kindes
(etwa 320–325 n. Chr.)

Ein Kind war seit seiner Geburt gelähmt. Es lebte in einem Dorf in der Nähe des Grabes des heiligen Mina. Eines Tages kroch dieses Kind aus dem Dorf und irrte umher. Währenddessen sah es von weitem eine leuchtende Laterne.

Es kroch schneller, bis es den Ort erreichte, an dem das Grab des Heiligen war. Dort überfiel das Kind Müdigkeit und es legte sich hin und schlief.

Seine Eltern gingen auf die Suche nach ihm. Endlich fanden sie es schlafend an dem Ort. Während die Eltern es zurechtwiesen, sprang es auf und rannte bis ins Dorf, wo es jedem erzählte, was ihm geschehen war. Das ganze Dorf begab sich zum Ort, wo sie Licht über dem Grab sahen und Gott lobten. Sie brachten alle Kranken und alle von Dämonen Besessenen. Alle wurden geheilt und die Nachricht verbreitete sich in ganz Mariut.

Ein Hirte entdeckt die Stelle des Leichnams

Ein Hirte weidete seine Schafe in dieser Wüste, nahe an der Stelle, an der der Leichnam des Heiligen begraben war. Eines Tages, während er seine Schafe weidete, ging ein räudiges Schaf in einen Teich, neben der Stelle, an der der Leichnam begraben war. Als es aus dem Wasser stieg, wälzte es sich im Staub. Sogleich wurde es geheilt. Als der Hirte dies sah, war er sehr verwirrt, dennoch freute er sich sehr darüber. Er suchte unter seinen Schafen die Kranken und benetzte eines nach dem anderen mit dem Teichwasser. Dann wälzte er sie an der Stelle des wunderbaren Staubes. Alle wurden sofort gesund. Er lobte Gott für seine Liebe ihm gegenüber und dafür, dass er diesen Ort entdeckt hatte.

Die Tochter des Kaisers von Konstantinopel wird von Aussatz geheilt

Die Nachricht von diesem Ort verbreitete sich und er wurde zu einer Quelle des Segens und der Heilung jeder Krankheit. Der Ruhm des Ortes reichte bis zum Ende der Welt, so dass auch der Kaiser von Konstantinopel davon hörte. Er hatte eine einzige Tochter, die aussätzig war. Deswegen sandte er sie mit einem Gefolge in der Hoffnung auf Heilung nach Ägypten.

Als die Prinzessin in Mariut ankam, nahm sie den Staub, mischte ihn mit Wasser, legte ihn auf ihren Körper und verbrachte dann die Nacht dort. Da erschien ihr der heilige Mina und gab sich ihr zu erkennen. Er bat sie, an dieser Stelle zu graben, wo sie seinen Leichnam finden würde. Als sie erwachte und sich vollkommen geheilt fand, rief sie die Soldaten und befahl ihnen, an diesem Ort zu graben. Tatsächlich fand sie den Leichnam des Heiligen. Sie sandte zu ihrem Vater und erzählte ihm davon. Dieser freute sich sehr und baute eine kleine Kirche über dem Grab.

Die Kirche des heiligen Athanasius des Apostelgleichen

Die Einwohner der Stadt Alexandrien und der Gegend von Mariut baten den heiligen Athanasius, den 20. Papst und Nachfolger des heiligen Apostels Markus, eine große Kirche zu bauen, in der genügend Platz für die Besucher sei. Wegen der Verfolgung durch den arianischen Herrscher konnte Papst Athanasius die Kirche jedoch nicht sofort bauen, sondern erst in der Regierungszeit des Kaisers Jovian (363 – 364 n. Chr.).

Die Kirche war grandios und mit kostbarem Granit verziert. Darunter wurde eine Katakombe gebaut, um den Leichnam des heiligen Mina beizusetzen. Geweiht wurde die Kirche in Anwesenheit einer Versammlung der Bischöfe Ägyptens am 1. Abib etwa des Jahres 373 n. Chr.

Die Kirche des Papstes Theophilus in Mariut

Nach einigen Jahren, während der Regentschaft der beiden Kaiser Arkadius und Honorius, Söhnen des Kaisers Theodosius des Großen, begab sich Papst Theophilus (385-412 n. Chr.), der 23. Papst Alexandriens, nach Mariut, um den Gedenktag des Märtyrers Mina am 15. Hator zu feiern. Er sah, wie sehr die großen Besucherscharen unter dem Gedränge litten. Die Kirche war nämlich zu klein, um dieser großen Anzahl von Gläubigen Platz zu gewähren, so dass viele außerhalb der Kirche warten mussten. Er schrieb an Kaiser Arkadius, der ihm auftrug, eine große Kirche zu bauen. Er schloss diese neue Kirche an jene an, die der heilige Athanasius gebaut hatte. Als der Bau der Kirche vollendet war, rief Papst Theophilus eine Versammlung aus Ägyptens Bischöfen und Notabeln zusammen. Sie weihten die Kirche mit Ehrerbietung und Würde am 15. Ba`una ein.

Papst Timotheus (458-480 n.Chr.), der 26. Papst Alexandriens, vollendete die Ausschmückung der Kirche und baute eine große Taufkapelle an ihrer Westseite.

Die Gründung der Stadt des heiligen Mina:

Der gottesfürchtige König Zenon (oder Xenon, 474-491 n. Chr.) besuchte diese Kirchen und empfing den Segen vom Leichnam des heiligen Märtyrers Mina. Er baute sich einen großen Palast neben der Kirche.

Papst Timotheos informierte König Zenon über die Barbaren, die Mariut überfallen hatten und die Kirchen in Bedrängnis brachten. Daraufhin befahl der König allen Mächtigen im Königreich, sich Paläste dort zu bauen. Er schrieb außerdem an die Notabeln Alexandriens und an die, die sich in ganz Ägypten befanden, dass jeder sich hier ein Haus bauen sollte, womit er die Gegend in eine Stadt umwandelte. Sie wurde “Martyroupolis” genannt, d.h. “die Stadt des Märtyrers”. Große Scharen kamen in die Stadt und ließen sich dort nieder.

König Zenon stellte eine Garnison aus 1200 Soldaten auf, um die Stadt vor den Überfällen der Barbaren zu schützen.

Dienstleistungen für Besucher

Der Mariutsee war ein Seeweg für die Schiffe. Er war durch den „Noaqratos-Kanal” mit dem kanopischen Nilarm verbunden. Die Besucher der Kirche des heiligen Märtyrers Mina, die aus Alexandrien und dem Deltagebiet kamen, fuhren mit Schiffen zur Westküste des Mariutsees und gingen dann zu Fuß weiter zur Kirche.

Während der Regentschaft des Kaisers Anastasius (491-518 n. Chr.), sah der Herrscher Philoxiniti die Schwierigkeiten, die die großen Scharen auf dem Wüstenweg, zwischen dem See und der Kirche, hatten. Er baute Übernachtungsquartiere und Rasthäuser für die Besucherscharen. In der Mitte errichtete er einen Markt für die Besucher, damit sie das Nötigste kaufen und große Vorratsräume, damit sie ihr Gepäck darin aufbewahren konnten. Er gab dieser Gegend seinen Namen. Den Weg entlang, vom See zur Kirche, baute er Rasthäuser mit Trinkwassertankwagen für die Reisenden. So dehnte sich die Stadt aus und wurde sehr bedeutend.

Mit der wachsenden Zahl der Kranken, die zur Gesundung kamen, wurden große Badehäuser erbaut. Das Wasser zur Versorgung dieser Badehäuser floss durch einen langen Kanal, der eine große Zahl von Wasserbecken und Bädern mit Wasser versorgte. Große Öfen wurden unter der Erde gebaut, um diese Bäder zu heizen. Am Ort wurde für die nach Segen trachtenden Besucher aus fernen Ländern Komfort gewährleistet.

Auch an ihrer nördlichen Seite wurde eine besondere Kirche gebaut. Die Stadt war reichlich versorgt mit öffentlichen Einrichtungen, Märkten, sowie diversen Fabriken zur Herstellung von Glas und Tongefäßen. Somit wurde sie zu einer mächtigen Stadt voller Marmorpaläste und Heilbäder.

Der Ruhm des heiligen Mina und der Stadt

Kranke kamen aus aller Welt, um durch die Fürbitte des heiligen Mina geheilt zu werden. In dieser Gegend wurden kleine Ampullen aus Ton hergestellt. Sie wurden mit dem Öl aus dem über den Leichnam des heiligen Mina hängenden Leuchter aufgefüllt oder auch mit Wasser aus der Quelle, die neben seinem Grab stand. Die Besucher nahmen sie mit nach Hause, um Segen und Heilung zu erhalten.

Der Beweis dafür, dass der heilige Mina sehr berühmt war, ist, dass man diese Gefäße an vielen Orten auf der ganzen Welt gefunden hat, wie z.B. in Köln und Heidelberg in Deutschland, in Marseille in Frankreich, in Dalmatien, in Mailand in Italien, sowie in England und in der Stadt Dongola im Sudan, ja sogar in Jerusalem.

Auf diesen Ampullen waren auf beiden Seiten der heilige Mina und zu dessen Füßen die beiden Meerestiere abgebildet. Auf einigen Ampullen wurden Kruzifixe oder der Name des Herrn Jesus eingeschnitzt.

Eine große Anzahl dieser Ampullen befindet sich heute im Koptischen Museum in Kairo und im Griechischen Museum in Alexandrien.

Die Zeit zwischen dem 5. und 7. Jh. n. Chr. zählt zum goldenen Zeitalter der Pilgerreisen zur Kirche und Stadt des heiligen Mina. Nach Jerusalem war diese Stadt das berühmteste Ziel der christlichen Pilger.

Entfernung des Kirchenmarmors

Im Jahre 833 n. Chr. entschied sich der Kalif

El-Mo’tassem, eine neue Hauptstadt zu bauen. Er sandte Vertreter in ferne Länder, um Marmorsäulen und kostbare Baustoffe zu sammeln.

Nach Ägypten sandte der Kalif einen Nestorianer namens Al-Azar. Dieser ließ die Marmorsäulen in vielen Kirchen abreißen, was zum Einsturz der Kirchen führte, und ebenso auch den bunten Marmor der Kirche des heiligen Mina in Mariut.

Als Papst Yousab I., der 52. Patriarch, dies erfuhr, empfand er tiefe Trauer. Er bemühte sich um eine hastige Reparatur der Kirche. Aus Ägypten und Alexandrien besorgte er mit Gravuren versehene Tafeln und setzte sie anstelle der entfernten Säulen ein.

Besitzergreifung der Kircheneigentümer und das Ende der Pilgerströme

In der Zeit des Papstes Schenouda I. (859-880 n. Chr.), des 55. Patriarchen, bemächtigte sich eine große Gruppe von Wüstenbeduinen mehrerer Länder. Sie ergriffen Besitz von der Kirche des Märtyrers Mar Mina (St. Mina) in Mariut und belagerten lange die Stadt Alexandrien. Dies führte zu Drangsal und Not.

Es kam so weit, dass der Ort des Märtyrers Mar Mina in Mariut, der früher dem gesamten orthodoxen Volk Ägyptens eine Freude bereitet hatte, nunmehr verwüstet war. Daher hörten die Besucher auf, zu diesem Ort zu pilgern, obwohl die Grabstätte des heiligen Mina unversehrt blieb.

Die Kirche im 12. Jahrhundert

Der letzte historische Hinweis, dass sich der Leichnam des heiligen Mina in dieser Gegend befand, findet sich im Buch, das Abu Saleh, dem Armenier (1177-1204 n. Chr.), zugeschrieben wird. Darin schreibt er folgendes über die Region Mariut: „Die Kirche des Märtyrers Abu Mina mit den drei Kränzen, dessen Leichnam dort begraben ist. In ihr geschehen viele Zeichen und Wunder, die zu jeder Zeit erscheinen. Es hatte für sie Stiftungen gegeben und sie war sehr schön verziert. In ihr gibt es Säulen aus buntem Marmor, sowohl liegende als auch stehende. Niemand hat je dergleichen gesehen.”

Später wurde die Gegend von Beduinen überfallen und zerstört. Sie wurde vollkommen verlassen. Durch die Zerstörung der über dem Grab gebauten Kirche verschwand der Leichnam des Heiligen unter den Trümmern, d. h. bis zu den Anfängen des 13. Jh. war weder die Kirche vernichtet, noch der Leichnam verschwunden.

Die Reise des gesegneten Leichnams von Mariut nach Fom El Khalig

Unter der Verwaltung des Königreiches durch El Mu’izz, bzw. in der Zeit des Königs Izz ad-Din Aybak (1249- † 1257), griffen die Barbaren sehr oft die Stadt Alexandrien vom Westen aus an. Sie nahmen ihre Einwohner gefangen und plünderten sie aus. Deswegen ernannte der König den Prinzen Falak Al Taqua zu ihrem Herrscher. Gleichzeitig ernannte er den reichen orthodoxen Christen Scheich El Sani’a El Tereki als Kanzleivorsteher. Auf ihrem Reiseweg kamen beide an Mariut vorbei und hielten sich dort für einige Tage auf.

Während ihres Aufenthaltes begaben sich einige Beduinen zu einem hohen Hügel, um Ziegel für den Bau ihrer Häuser zu holen und den Rest in Alexandrien zu verkaufen. Während sie gruben und Ziegel aufhoben, fanden sie eine verschlossene und versiegelte Kiste. Sie freuten sich und glaubten, darin viel Geld, Silber oder kostbare Edelsteine zu finden. Da einige unter ihnen den Schatz nicht mit den anderen teilen wollten, entstand ein heftiger Streit. Daraufhin versammelten sich alle Beduinen Mariuts und stritten heftig.

Als der Prinz Falak Al Taqwa dies erfuhr, entriss er ihnen die Kiste und befahl, sie zu öffnen. Man fand darin ein geschmücktes Gefäß, das man auch öffnete. Als sie den Deckel aufrissen, waren sie überrascht, Menschenknochen darin zu finden. Die Knochen waren mit sieben Schichten feinster Seide umhüllt. Sie wussten nicht, wessen Knochen dies waren. Der Prinz befahl seinen Soldaten, sie in den Küchenofen zu werfen, um einen Aufstand der Beduinen wegen des Kastens zu vermeiden.

Der Leichnam des Heiligen wird ins Feuer geworfen

Ein Soldat befolgte den Befehl des Prinzen und befahl den Anwesenden, die Küche zu verlassen. Als der Koch in der Nacht in die Küche ging, um etwas Notwendiges vorzubereiten, sah er eine Lichtsäule, die wie die Sonne schien und aus der Mitte des Feuers hervorstieß, und zwar über den heiligen Gebeinen. Er wunderte sich, lief zum Scheich El Sani’a und berichtete ihm, was er gesehen hatte. Dieser begleitete ihn in die Küche. Als er das Licht sah, pries er Gott und war sich sicher, dass es sich um die Gebeine eines Märtyrers handelte.

Die Überführung des Leichnams des heiligen Mina in die Stadt Aschmun El Romman

 Scheich El Sani’a nahm die heiligen Gebeine aus dem Feuer und wickelte sie in seidene Leichentücher. Er gab sie einem seiner vertrauten Jungen und befahl ihm, diese Gebeine in sein Haus in die Stadt Aschmun El Romman zu bringen, sie zu bewahren und niemandem von ihnen zu erzählen.

Der Leichnam in Aschmun El Romman

Als Scheich El Sani’a heimkehrte, ließ er den Bischof der Stadt zu sich kommen und erzählte ihm von der Kiste. Er sagte ihm weiterhin, dass er nicht wisse, wessen Gebeine es seien. Der Bischof empfing den Segen von den Gebeinen und wies Scheich El Sani`a an, einen Leuchter vor ihnen anzuzünden.

Der Leichnam in Banha El Asal

Danach wurde Scheich El Sani’a in die Stadt Banha El Asal versetzt und wohnte dort. Er nahm den Sarg mit sich, stellte ihn an einer besonderen Stelle im Haus für sich alleine auf und setzte den Leuchter davor.

Der Heilige erscheint und gibt sich zu erkennen

Eines Tages war ein gesegneter Mönch namens Ishak im Hause von Scheich El Sani’a. Während er eines Abends schlief, erschien ihm der heilige Mina und gab sich ihm zu erkennen. Er bat ihn, auf den Leichnam Acht zu geben, bis er in eine Kirche gebracht würde.

Als der Tag anbrach, weckte der Mönch Scheich El Sani’a und die übrigen Hausbewohner. Er erzählte ihnen, was er gesehen hatte, und sie freuten sich alle sehr. Sie bemühten sich darum, den Platz, an dem der Sarg stand, gebührend zu schmücken. Sie holten große neue Leuchter, setzten sie vor den Sarg und ließen sie Tag und Nacht angezündet. Ihre Ehrerbietung war übergroß. Sie riefen den örtlichen Priester, damit er an den Gedenktagen des Heiligen vor dem Leichnam Weihrauch erhob.

Scheich El Sani’a hatte eine jungfräuliche Tochter mit Namen Set El Kipt. Sie hatte ihre Jungfräulichkeit dem Herrn Jesus Christus gewidmet. Als ihr Vater ihr ans Herz legte, dem Leichnam des heiligen Mina ihr ganzes Leben lang zu dienen, war ihre Freude maßlos. Ihrer Heiligkeit wegen wurde sie außerdem für würdig befunden, den heiligen Mina mehrmals mit eigenen Augen zu sehen. Er dankte ihr für ihre Liebe und den an seinem Leichnam erwiesenen Dienst.

Der Heilige gibt seine Überführung nach Banha bekannt

Als der Herr Jesus Christus die Gebeine des heiligen Mina in eine Kirche in El Daher, Masr El Mahrousa, die auf seinen Namen geweiht war, bringen wollte, erschien der große Heilige der Set El Kipt und ließ sie wissen, dass er sich an einen anderen Ort begeben werde.

Der Leichnam des Heiligen wird nach Kairo überführt

Als der Priester Johannes El Sa’igh, der in der Gegend des heiligen Mina in Fom El Khalig diente, erfuhr, dass sich der Leichnam des heiligen Mina im Hause von Scheich El Sani’a befand, und dass eine Jungfrau namens Set El Kipt ihm diente, fuhr er zu ihr und erklärte ihr, dass Reliquien von Heiligen unbedingt in Kirchen aufbewahrt werden sollen. Er versprach ihr, in der Kirche zu wohnen und dem Leichnam sein Leben lang zu dienen. Sie war damit einverstanden und sagte ihm, dass der heilige Mina ihr erschienen war und gesagt hatte: „Ich gehe an einen anderen Ort.”

Als die Elite Kairos dies erfuhr, kamen sie, um den Leichnam in Empfang zu nehmen, jedoch hielten die Bewohner des Dorfes Banha Al Asal sie davon ab, bis Papst Benjamin II. (1327-1339 n. Chr.), der 82. Patriarch, anordnete, den Leichnam in die Kirche des heiligen Mina in Fom El Khalig zu überführen.

Danach blieben die heiligen Gebeine etwa 80 Jahre lang in Aschmun El Romman und Banha El Asal.

Der Leichnam des heiligen Mina wird in seiner Kirche in Fom El Khalig gefunden

Es wurde mehrmals versucht, den Leichnam des gesegneten Märtyrers zu stehlen. Dies veranlasste die Notabeln, ihn versteckt aufzubewahren. Da die Kirche danach aber mehrmals zerstört und wieder aufgebaut wurde, wusste man nicht mehr, wo das Gefäß mit dem Leichnam war. Gott beließ es lange Zeit dabei. Das letzte Mal, dass der Leichnam in einem Schriftstück erwähnt wurde, war während der Zeit des Papstes Markus IV. (1348 – 1363 n. Chr.), des 84. Papstes von Alexandrien.

Im Jahre 1589 nach den Märtyrern, entsprechend dem 1. September 1873 n. Chr., erschien der heilige Mina der Wundertäter einem Erzpriester namens Tadros Mina im Traum. Dieser war der Vorsteher des Klosters des heiligen Mina in Fom El Khalig. Er befahl ihm, den Leichnam zu suchen und offenbarte ihm, dass er ihn in der Kirche finden werde.

Der Leichnam wurde gesucht und in einem Behälter aus Holz gefunden, auf dem der Name des heiligen Mina geschrieben stand. Man fand außerdem vier weitere Gefäße anderer Märtyrer, die ebenfalls beschriftet waren.

Als 1959 S. H. Papst Kyrillus VI. das Patriarchat übernahm, wurde ein Teil der Reliquien des heiligen Märtyrers Mina in seine Kirche in Alt-Kairo überführt. Am 15. Februar 1962 wurde ein weiteres Stück des Originalbehälters in das Kloster des heiligen Mina in Mariut überführt.

Die Überreste der Stadt Abu Mina in Mariut im 19. und 20. Jahrhunderts

Die Zerstörung der Stadt Abu Mina im 19. Jahrhundert

Die Beduinen, die diese Gegend besiedelten, bestahlen die Reisenden und plünderten sie aus. Daraufhin zerstörte Mohamed Ali Pascha (1805-1848 n. Chr.) die übrig gebliebenen Bauwerke, die in der Wüste standen, um  den Beduinen Einhalt zu gebieten.

Die Wiederentdeckung der Stadt im 20. Jahrhundert

Der deutsche Wissenschaftler C. M. Kaufmann begann die Ausgrabungen in dieser Gegend. Zwischen 1905 und 1907 entdeckte er Überreste der Stadt. Er transportierte 100 große Kisten, die voll von wunderbaren Kostbarkeiten, Marmorsäulenkränzen und vielen anderen Gegenständen waren, in sein Heimatland. Bis zum heutigen Tag befinden sich diese in einem Frankfurter Museum in Deutschland. Museen aus aller Welt wollten einige der Fundstücke erwerben, jedoch hatte Kaufmann die meisten selbst in Besitz genommen.

Es ist überliefert, dass Bramki Bek, Gouverneur der libyschen Wüste, einmal die Stadtruinen besichtigte und daraufhin kein einziges Stück des übrig gebliebenen Marmors zurücklassen wollte.

Er nahm allen Marmor mit, benutzte ihn für den Bau der Stadt Abu Sir im Süden und nannte sie Borg El Arab. Auch die archäologischen Entdeckungen blieben von Übergriffen der einheimischen Beduinen nicht verschont.

Einige deutsche Forscher wurden vom Deutschen Archäologischen Institut beauftragt, dem Koptischen Museum bei seinen neuen intensiven Ausgrabungsarbeiten behilflich zu sein.

Ein Teil der Funde wurde ins Koptische Museum in Kairo und ins Griechisch-römische Museum in Alexandrien überführt.

In den letzten Jahren unternahm das Deutsche Archäologische Institut in Kairo Ausgrabungen in der Gegend unter der Führung des Archäologen Dr. Peter Großmann in Zusammenarbeit mit dem Ägyptischen Archäologischen Institut.

Die Gegend in jüngster Zeit

Wegen der historischen Bedeutung der Abu Mina-Gegend wurde sie von der UNESCO zu einem der wichtigen Weltdenkmäler ernannt. Sie zählt zu fünf Gebieten in Ägypten und 57 in der gesamten Welt, die als Welterbe gepflegt und bewahrt werden sollen. Unter dem Titel „Ein Vermächtnis für alle” (A Legacy for all) gab die UNESCO ein Buch über diese Orte heraus. Es gilt als Niederschrift für Weltkultur und Zivilisation.

Die Gründung des modernen Klosters

Am gesegneten Sonntag, dem 2. Baschans 1675 nach den Märtyrern, entsprechend dem 10. Mai 1959 n. Chr. wurde der als Einsiedler lebende Mönch Erzpriester Mina El Baramousy zum 116. Papst und Patriarchen der Koptisch-Orthodoxen Kirche mit dem Namen Seine Heiligkeit Papst Kyrillus VI. geweiht.

In seiner Eigenschaft als Kirchenoberhaupt hatte er die Möglichkeit, der Gegend von Abu Mina in Mariut ihren alten Ruhm zurückzugeben. Gleich nach seiner Weihe  wurde der Aufbau des St. Mina Klosters in Mariut zu seinem Hauptprojekt, dem der Papst seine größte Aufmerksamkeit schenkte. Er wandte sich an die zuständigen Behörden und bat um die Möglichkeit, das Land für den Klosterbau zu erwerben. Es gelang ihm, eine Fläche Land von mehr als sechs Hektar zu kaufen, die direkt an den nördlichen Teil des archäologischen Gebiets angrenzt.

Am 15. Bauna 1675 nach den Märtyrern, entsprechend dem 22. Juni 1959 n. Chr. besuchte der Papst das archäologische Gebiet von Abu Mina. Dies war der Gedenktag der Einweihung der Kirche des heiligen Märtyrers Mina, und gleichzeitig der erste Gedenktag seiner Weihe zum Papst. Dort feierte der Papst die Liturgie zusammen mit einer großen Zahl von Gläubigen. Es war das erste Mal seit mehr als sieben Jahrhunderten, dass ein Papst in dieser Gegend das Fest des heiligen Mina beging.

1676 nach den Märtyrern, entsprechend dem 27. November 1959 n. Chr. legte der Papst den Grundstein des modernen Klosters.

Dieser Stein liegt unter der östlichen Seite des Hauptaltars der Klosterkathedrale. Er ist heute hinter der dem Grab des Papstes Kyrillus VI. gegenüber stehenden Glasvitrine zu sehen.

Dr. O. A. Minardus kommentierte diese Leistung mit den Worten: „Der Wunsch, den der Patriarch jahrelang gehegt hatte, wurde Realität. Nach mehr als tausend Jahren wird dieser heilige Ort des heiligen Mina wieder zum Wohnort von Mönchen, die den Titel „Apa Mina” tragen.“

Der Beginn des monastischen Lebens im Kloster

S.H. Papst Kyrillus VI. begann das Kloster mit Mönchen zu besetzen, indem er einige Mönchväter aus anderen Klöstern ins St. Mina Kloster sandte, die dort den Kern des monastischen Lebens bilden sollten. Danach weihte er Mönche für das Kloster, die den Beinamen „Ava Mina” trugen. Die ersten Mönche wurden am 4. Barmuda 1679 nach den Märtyrern, also dem 12. April 1963 n. Chr. geweiht.

Der erste Klostervorsteher ist der in die ewige Ruhe eingegangene Bischof Mina Ava Mina. Ihm übertrug Papst Kyrillus VI. die Verantwortung über das Kloster im Jahre 1964 n. Chr. S. H. Papst Schenouda III. weihte ihn zum Bischof am 17. Baschans 1696 nach den Märtyrern, entsprechend dem 25. Mai 1980 n. Chr. In der Zeit von Bischof Mina Ava Mina wurden die meisten Klostergebäude errichtet, und viele junge Männer wurden Mönche.

S.H. Papst Kyrillus VI. äußerte in seinem Testament den Wunsch, dass seine letzte Ruhestätte das St. Mina Kloster, neben seinem geliebten Fürsprecher Mar Mina sein sollte. Als er am 9. März 1971 verschied, wurde sein Leichnam zunächst in der St. Markus Kathedrale in Anba Ruis in Kairo beigesetzt. Als die Denkmalsstätte für ihn unter dem Altar der Kathedrale im St. Mina Kloster vorbereitet war, wurde sein gesegneter Leichnam am 23. November 1973 gemäß seinem Wunsch ins Kloster überführt. Sein Nachfolger S. H. Papst Schenouda III., der 117. Papst von Alexandrien und Patriarch auf dem Stuhl des heiligen Markus, geleitete den Leichnam zusammen mit vielen Bischöfen, Priestern und dem Volk bis ins Kloster.

Am Abend sagte er in seiner Predigt anlässlich der Überführung und Beisetzung des Leichnams von Papst Kyrillus VI. im St. Mina Kloster:

„Es gibt keinen Zweifel, dass das St. Mina Kloster der geeignete Ort für den Leichnam des Papstes ist, weil er der Gründer und Erbauer des Klosters war. Er errichtete seine Mauern und weihte seine Mönche. Ohne Zweifel ist dieses Kloster mit Papst Kyrillus verbunden. Jedoch hätten wir es wegen Papst Kyrillus` Verehrung des Märtyrers St. Mina „Papst Kyrillus Kloster“ nennen sollen. Das Volk von Alexandrien unterscheidet ohnehin nicht zwischen „St. Mina Kloster“ und „Papst Kyrillus Kloster“

S.H. Papst Schenouda III. weihte am Pfingstfest, dem 8. Bauna 1719 nach den Märtyrern, entsprechend dem 15. Juni 2003 n. Chr. Erzpriester Kyrillus Ava Mina zum zweiten Bischof und Vorsteher des St. Mina Klosters.

Am Montag, den 2. Tubah 1721 nach den Märtyrern, entsprechend dem 10. Januar 2005 n. Chr., jubelten die Heiligen und die koptische Kirche auf der ganzen Welt, und es freuten sich Bischof Kyrillus Ava Mina und alle Mönche des St. Mina Klosters, als S. H. Papst Schenouda III. die Altäre der St. Mina Kathedrale im Kloster mit dem heiligen Chrisam-Öl (Myron) in Anwesenheit von 36 Metropoliten und Bischöfen, des Bevollmächtigten des Patriarchates von Alexandrien, der Mönche des St. Mina Klosters und anderer Klöster, sowie einer großen Anzahl von Priestern und Laien weihte.

Dieser Ort ist – wie in vergangenen Zeiten – eine Quelle des Trostes für jeden Ermüdeten und Kranken geworden, da Gott hier seine fürsorgende Hand ausstreckt und viele Wunder vollbringt.

Dies ist das göttliche Versprechen an den heiligen Mina: „Dein Name wird berühmter sein als der vieler anderer Märtyrer. Ich werde Völker aller Stämme und Sprachen aus der ganzen Welt dazu aufrufen, die auf deinen Namen in Ägypten geweihte Kirche zu besuchen. Sie werden die Kraft, Wunder und Zeichen sehen, die durch deinen Leichnam geschehen werden.”